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gHi Kolumne - Muttenzer Anzeiger vom 26.02.2010  
Robinson auf der Deponie

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Ueli Ruck legte das auf ein dünnes Brett aufgezogene Poster vor sich auf den Boden und griff zum Pinsel. In grossen Lettern setzte er den Schriftzug „Gewerbeparzelle günstig zu verkaufen“ aufs Papier. Seine Frau kam vorbei, schaute ihm kurz über die Schulter und sagte: „Ueli, du spinnst. Wer soll denn unser grundstück kaufen wollen!“.

„Lass mich doch“, sagte er, „irgendwie muss ich mir die Zeit ja vertreiben, bis wir dann auswandern.“

„Ich wüsste dir schon was zu tun“, sagte Thérèse, leicht giftig im Ton. „Wir haben fast kein Diesel für die Stromaggregate mehr. Ich koche mit der letzten Flasche Campinggas. Und dass uns dasDesinfektionsmittel fürs Chemie-WC ausgegangen ist, könntest du eigentlich selber riechen. Also worauf wartest du?“

Seit diese Deponie-Totalsanierung im Gange war, lebten Ueli und Thérèse eine Art Robinson-Leben, nur nicht so romantisch. Ihr kleines Gewerbegrundstück mit der Elektrowerkstatt und der Privatwohnung im Dachgeschoss lag mitten auf dem Gelände der ehemaligen Siedlungsabfalldeponie. Seit Wochen waren ringsherum die Bagger tätig. Exakt entlang der Grundstückgrenze hatten sie angefangen abzugraben, um den Deponieinhalt auszuheben. Wie ein einsames Inselchen – nur dass es nicht von Wasser umgeben war – ragte nun die Rucksche Liegenschaft aus der zehn Meter tiefen Grube.

Ueli setzte sich in seinen Lieferwagen, um Diesel, Campinggas und WC-Zusatz kaufen zu gehen. Ins Dorf fahren konnte er immerhin, weil der örtliche Zivilschutz ihm eine Behelfsbrücke von seinem Inselchen zum Rand der Deponiegrube gelegt hatte. Die Kosten dafür hatte Ueli gerade noch aufbringen können. Im Gegensatz zu seinem Anteil an den Sanierungskosten, die er als „Zustandsstörer“ hätte aufwenden müssen.

An der Tankstelle traf Ueli seinen Kollegen Hans Krumm, Heizung/Sanitär. „Ha“, sagte der mit seinem manchmal etwas grobschlächtigen Humor, „wer hätte das gedacht, dass du mal reif für die Insel werden würdest!“. Krachend schlug er Ueli mit seiner Riesenpranke auf die Schulter.

„Aua“, schrie Ueli. Seine Frau knipste das Nachttischlämpchen an. „Ueli“, sagte sie besorgt, „hast du wieder schlecht geträumt wegen dieser Deponiesanierung?“

Jean Parquettier


Die Geschichte mit der Robinson-Familie Ruck ist ein wenig übertrieben. Aber Übertreibung veranschaulicht. Nicht übertrieben ist die Sorge, dass eine Totalsanierung der Muttenzer Deponien manche unschuldige Grundstückseigentümer – als „Zustandsstörer“ – an den Rand der finanziellen Leistungsfähigkeit bringen könnte. Der gHi Muttenz unterstützt daher die Bestrebungen, am „Runden Tisch“ eine einvernehmliche Lösung zu finden und nur dort zu sanieren, wo aus ökologischer Sicht wirklich saniert werden muss. Die Chemie, von der nur zwei Prozent des Mülls stammt, ist bereit, sich überproportional an den Kosten zu beteiligen. Mit einem angemessenen Kostenverteilerschlüssel können einzelne Betroffene und wir alle als Steuerzahler vor einer gigantischen Ausgabenspirale verschont werden.

Beat Huesler, Präsident gHi Muttenz

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