Robinson auf der
Deponie
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Ueli
Ruck legte das auf ein dünnes Brett aufgezogene Poster vor sich auf den Boden
und griff zum Pinsel. In grossen Lettern setzte er den Schriftzug
„Gewerbeparzelle günstig zu verkaufen“ aufs Papier. Seine Frau kam vorbei,
schaute ihm kurz über die Schulter und sagte: „Ueli, du spinnst. Wer soll denn unser
grundstück kaufen wollen!“.
„Lass
mich doch“, sagte er, „irgendwie muss ich mir die Zeit ja vertreiben, bis wir
dann auswandern.“
„Ich wüsste dir schon was zu tun“, sagte
Thérèse, leicht giftig im Ton. „Wir haben fast kein Diesel für die
Stromaggregate mehr. Ich koche mit der letzten Flasche Campinggas. Und dass uns
dasDesinfektionsmittel fürs Chemie-WC
ausgegangen ist, könntest du eigentlich selber riechen. Also worauf wartest du?“
Seit
diese Deponie-Totalsanierung im Gange war, lebten Ueli und Thérèse eine Art
Robinson-Leben, nur nicht so romantisch. Ihr kleines Gewerbegrundstück mit der
Elektrowerkstatt und der Privatwohnung im Dachgeschoss lag mitten auf dem
Gelände der ehemaligen Siedlungsabfalldeponie. Seit Wochen waren ringsherum die
Bagger tätig. Exakt entlang der Grundstückgrenze hatten sie angefangen
abzugraben, um den Deponieinhalt auszuheben. Wie ein einsames Inselchen – nur
dass es nicht von Wasser umgeben war – ragte nun die Rucksche Liegenschaft aus
der zehn Meter tiefen Grube.
Ueli
setzte sich in seinen Lieferwagen, um Diesel, Campinggas und WC-Zusatz kaufen
zu gehen. Ins Dorf fahren konnte er immerhin, weil der örtliche Zivilschutz ihm
eine Behelfsbrücke von seinem Inselchen zum Rand der Deponiegrube gelegt hatte.
Die Kosten dafür hatte Ueli gerade noch aufbringen können. Im Gegensatz zu
seinem Anteil an den Sanierungskosten, die er als „Zustandsstörer“ hätte
aufwenden müssen.
An
der Tankstelle traf Ueli seinen Kollegen Hans Krumm, Heizung/Sanitär. „Ha“,
sagte der mit seinem manchmal etwas grobschlächtigen Humor, „wer hätte das
gedacht, dass du mal reif für die Insel werden würdest!“. Krachend schlug er
Ueli mit seiner Riesenpranke auf die Schulter.
„Aua“,
schrie Ueli. Seine Frau knipste das Nachttischlämpchen an. „Ueli“, sagte sie
besorgt, „hast du wieder schlecht geträumt wegen dieser Deponiesanierung?“
Jean
Parquettier
Die
Geschichte mit der Robinson-Familie Ruck ist ein wenig übertrieben. Aber
Übertreibung veranschaulicht. Nicht übertrieben ist die Sorge, dass eine
Totalsanierung der Muttenzer Deponien manche unschuldige Grundstückseigentümer
– als „Zustandsstörer“ – an den Rand der finanziellen Leistungsfähigkeit
bringen könnte. Der gHi Muttenz unterstützt daher die Bestrebungen, am „Runden
Tisch“ eine einvernehmliche Lösung zu finden und nur dort zu sanieren, wo aus
ökologischer Sicht wirklich saniert werden muss. Die Chemie, von der nur zwei
Prozent des Mülls stammt, ist bereit, sich überproportional an den Kosten zu
beteiligen. Mit einem angemessenen Kostenverteilerschlüssel können einzelne
Betroffene und wir alle als Steuerzahler vor einer gigantischen Ausgabenspirale
verschont werden.
Beat
Huesler, Präsident gHi Muttenz
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